Italien
Während sich die Deutschen mit ihrem Lotto-System „6 aus 49“ jeden Mittwoch- und Samstagabend nicht nur mit weitaus kleineren Gewinnsummen begnügen müssen – der Jackpot-Rekord lag bislang bei 43 Millionen Euro – besteht bei den Italienern häufig genug die Aussicht auf den ganz großen Coup: Bereits einige Male lag der Gewinn in Italien im dreistelligen Millionenbereich.
Superenalotto
Eines der größten und beliebtesten nationalen Lotto-Spiele des „Stiefelstaates“ ist die SuperEnalotto. Sie gilt als Italiens Antwort auf den Power Ball, der in den USA vorherrscht – aber auch als das schwierigste Spiel der Welt.
Allwöchentlich wird die Lotterie von Millionen Italienern gespielt auf der Jagd nach finanzieller Unabhängigkeit.
SuperEnalotto, das im Dezember 1997 in Italien durch die private Firma Sisal SpA gegründet wurde, ersetzte das seit den 50-er Jahren in Italien etablierte Enalotto-Spiel.
Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag um 20 Uhr verheißen sechs Zahlen von 1 bis 90 den großen Gewinn. Und sollten Sie den verpassen, bietet Ihnen der zusätzlich angekreuzte “SuperStar”, der in etwa der deutschen Superzahl entspricht, zumindest die Aussicht auf einen Trostpreis. Schließlich liegen Ihre Chancen, die richtige Kombination zu treffen, bei lediglich eins zu 622 Millionen. Wenn Sie bei diesen Aussichten nicht auf Ihre eigenen Zahlen vertrauen, können Sie einen Spielschein mit bereits ausgewählten erwerben.
Die Ziehung
Anders als viele andere Lotterie-Ziehungen, die ihren bestimmten Standort haben, werden die sechs Gewinnzahlen in fünf Preisklassen je Ziehung in sechs verschiedenen italienischen Städten ausgekugelt. In alphabetischer Reihenfolge sind diese: Bari, Florenz, Mailand, Neapel, Palermo und Rom. Dorthin pilgerten Anfang August 2009 unzählige Glücksritter aus ganz Europa. Teilweise wurden die “Lottotouristen” sogar mit gecharterten Flugzeugen nach Italien gebracht. Deutsche reisten in Bussen an – infiziert vom italienischen Lottofieber. Laut der auf Wettspiele spezialisierten italienischen Agentur Agicos handelte es sich um den größten Jackpot aller Zeiten in Italien: 149 Millionen Euro. Steuerfrei. Geknackt wurde der sogar weltweit zweitgrößte Supergoal mit den Zahlen 0, 11, 27, 45, 79, 88. Und gekauft wurde das Los für lediglich zwei Euro in einer Bar im toskanischen 2000-Seelen-Ort Bagnone – dessen siegreicher Einwohner noch immer sein Glück verschweigt.
Der Jackpot
Doch neben Goldschürfern trat auch die Verbraucherschutzorganisation Codacons mit Warnungen vor Spielabhängigkeit und unrealistischen Gewinnerwartungen auf den Plan und forderte, der Jackpot solle von einer gewissen Höhe an eingefroren und auf alle Gewinner mit einem richtigen Fünfer verteilt werden. Auch die Kirche in Italien mischte sich ein und wetterte gegen das “Lottofieber”. Es sei „zu einer wahren Götzenverehrung geworden“, so der ehemalige Erzbischof von Lecce in Süditalien, Cosimo Francesco Ruppi. Und Domenico Sigalini von der Bischofskonferenz befand Lotto als unmoralisch, weil vor allem der Staat daran verdiene – knapp 54 Prozent des eingespielten Geldes. Besonders dürfte dies die Regierung in Rom erfreut haben: Das Glücksspielfieber brachte dem leeren Staatssäckel immerhin stattliche 840 Millionen Euro ein.
Doch macht so viel Geld wirklich glücklich? Nicht unbedingt, wie Studien der Northwestern University aufzeigen. Das Glück von Lottogewinnern hinke den Erwartungen hinterher, nutze sich sehr rasch ab. Bereits weit kleinere Summen reichten aus, um einen vermeintlichen Glückspilz ins Unglück zu stürzen.
Denn das das Glück gehorcht einem Gesetz, das wir nicht kennen.